Klinik für UrologieChefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard Ubrig
Augusta-Kranken-Anstalt gGmbH
Bergstraße 26 - 44791 Bochum
Tel.: 0234/517-2651
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Der obere Harntrakt umfasst die Nieren (die zwei paarigen Organe, die das Blut filtern und als Filterprodukt fortwährend den Harn produzieren) und die Harnleiter (die sogenannten Ureteren, zwei enge Muskelschläuche, jeweils ca. 25 cm lang, die den Harn von den Nieren in das Speicherorgan Harnblase transportieren).
Da der Harn fortwährend produziert wird, muss er ständig in das Speicherorgan Harnblase abtransportiert werden. Diese Aufgabe übernehmen die Harnleiter (Ureteren).
Wenn der obere Harntrakt (Nieren und Harnleiter) aufgestaut ist, kann dies dazu führen, dass sich der Harn in den Nieren sammelt. Dies schädigt langfristig die Nierenfunktion. Bleibt das Problem unbehandelt, kommt es zu nichtreparablen Schäden an den abflussbehinderten Nieren, die zu einem kompletten Funktionsverlust der betroffenen Niere führen können.

Aber es können auch andere Blockaden des Harnabflusses aus dem oberen Trakt auftreten, die als sogenannte Harnleiterengen (Ureterstrikturen) bezeichnet werden. Diese Ureterstrikturen können durch angeborene Anomalien auftreten (zum Beispiel wenn der Ureter durch ein großes Blutgefäß verdreht oder zusammengedrückt wird, zum Beispiel retrocavaler Ureter) oder -viel häufiger- durch Narbengewebe auftreten.
Narben im Harnleiter gehen häufig auf Komplikationen vorangegangener medizinischer Maßnahmen zurück Zum Beispiel endoskopische Maßnahmen, um Nieren- oder Harnleitersteine zu entfernen, gynäkologische Operationen an den Eierstöcken oder an der Gebärmutter, usw., Bestrahlungsbehandlungen für Krebs, Entzündungen und andere Ursachen.
Es gibt eine ganze Reihe von rekonstruktiven Maßnahmen im oberen Harntrakt, die angepasst auf die individuelle Situation zur Anwendung kommen.
Im Zentrum dieser Techniken steht immer das vorsichtige Handling des Ureters (Harnleiters), der tief im hinteren Bauchraum liegt und sehr empfindlich und schnell auf chirurgische Massnahmen mit Narbenbildung reagiert. Der Harnleiter selbst hat lediglich eine Dicke von ca. 5 mm, seine Innendruchmesser ist noch geringer.
Grundprinzipien bei diesen rekonstruktiven Maßnahmen sind: Naht nur am gut durchbluteten Harnleiter, Verwendung ausschliesslich feinster Nähte, die absolut spannungsfrei und wasserdicht sein müssen.
Da der Ureter (Harnleiter) tief und verborgen im Körper liegt, war er in der Vergangenheit nur mit großen Bauchschnitten für den urologischen Chirurgen zu erreichen. Mit dem Aufkommen der laparoskopischen (Schlüsselloch-) Chirurgie hat sich dies geändert. Die Hinzunahme des Da-Vinvi-Systems ermöglicht nun eine noch feinere und präzisere Naht. Besondere Vorteile spielt das da Vinci – System für den Chirurgen dabe mit seinem ruhigen Bild, dreidimensionale Sicht, extremer Beweglichkeit der feinen Instrumente und Bewegungsübersetzung aus. Im Grunde handelt es sich beim da Vinci System um ein grosses Operationsmikroskop, das dem urologsichen Chirurgen hilft, die erprobte Verfahren mit über Jahrzehnte dokumentierter Behandlungsqualität auf die minimalinvasive Chirurgie zu übersetzen.
Im robotischen Zentrum des Augusta-Krankenhauses in Bochum haben wir uns in der Vergangenheit an der Entwicklung dieser Methoden auf laparoskopischem Wege beteiligt und haben die Einführung des Da-Vinci-Systems sofort für diese Techniken übernommen und sehen dies als einen großen Fortschritt an auf dem Boden unserer nahezu zehn Jahre langen Erfahrung mit der minimalinvasiven Rekonstruktion dieser Engen.
Um Harnleiterengen operative zu korrigieren, sind einige fünf bis acht Millimeter kleine Schnitte in der Bauchhaut erforderlich, um die Kanäle (Ports) für die Instrumente und die Videokamera (3-D-System) des Da-Vinci-Systems einzuführen. Wie viele (mindestens drei) und wo die Zugänge gelegt werden, entscheidet sich überwiegend an der Lage und der Länge der zu behandelnden Striktur (Harnleiterenge, Harnleiternarbe).
Diese Prozedur wird durchgeführt, wenn die Blockade des Ureters (Harnleiters) im oberen oder mittleren Bereich liegt. Es ist in diesen Fällen notwendig, die Engstelle auszuschneiden und dann die verbliebenen Anteile wieder zu vernähen. Dies ist in der Regel nur möglich bei kurzstreckigen Engen von 1 bis 2 cm Länge.
Diese rekonstruktive Prozedur erfordert extrem feine Präparation und Nahttechnik. Es wird durchgeführt, wenn es eine Blockade des Ureters im unteren Drittel gibt, wo der Ureter auf die Blase trifft. Der Chirurg durchtrennt den Ureter direkt oberhalb der Blockade und entfernt ggfs. den erkrankten unteren Anteil. Dann wird der gesunde Teil des Ureters mittels einer speziellen Nahttechnik neu in die Harnblase eingepflanzt. ies geschieht durch die Schaffung einer neuen Öffnung in der Harnblase und die Verbindung des Harnleiters. Die Schaffung dieser neuen Verbindung ist sehr anspruchsvoll und wird durch das da Vinci System hervorragend unterstützt.
Wenn das gesunde Ende des Harnleiters zu weit von der Harnblase entfernt ist, um eine spannungsfreie Naht zu erreichen, muss die Harnblase zum gesunden Ureterabschnitt hin bewegt werden, um eine spannungsfreie Verbindung zwischen Harnleiter und Blase zu ermöglichen. Dazu wird die Harnblase teilweise von Verwachsungen befreit und wird dann an der Sehne des Psoas-Muskels angenäht. Dies eliminiert die Spannung zwischen dem Harnleiterende und dem Ureter und der Blase.
Der Boari-Lappen ist eine weitere Technik zur Behandlung von Harnleiterengen im unteren Harnleiterabschnitt. Die Technik wird nur noch in Einzelfällen angewandt, ist aber mit dem Da-Vinci-System gut umzusetzen. Gelegentlich kann eine ausgedehntere Enge, die bis in den mittleren Ureterabschnitt reicht, damit überbrückt werden.
Diese komplexe Prozedur ist nur selten erforderlich. In der Regel handelt es sich um Patienten mit chronischen erweiterten Nierenhohlsystem (langjährig gestaute Niere) und Voroperationen im Bereich des Übergangs zwischen Nierenbecken und Harnleiter. Fast immer ist eine erfolglose Nierenbeckenplastik vorausgegangen.
Durch den Chefarzt der Klinik wurde in Deutschland das laparoskopisch-assistierte Ileuminterponat etabliert. Hier handelt es sich um einen kompletten Ersatz des gesamten Harnleiters vom Nierenbecken bis zur Harnblase durch ein 15 bis 20 cm langes Stück Dünndarm (Ileum).
Früher war dazu regelmäßig ein Schnitt vom Brustkorb bis in den Genitalbereich erforderlich. Dies kann nun ohne grosse Schnitte elegant über die Technik der Schlüssellochchirurgie in hoher Präzision durchgeführt werden. Diese Art von Maßnahme ist aber nur erforderlich bei sehr langstreckigen Harnleiterstrikturen. Diese entstehen zum Beispiel durch Erkrankungen wie Morbus Ormond, komplexe endourologische Voroperationen (Harnleiterabriss) im Rahmen von Steintherapien, schweren Unfällen oder auch in seltenen Fällen bei Tumorbefall des Harnleiters.
Sogenannte rekonstruktive Operationen durch traditionelle offene Chirurgie erfordern einen großen Bauch-Schnitt, da der Harnleiter tief im hinteren Bauchraum, kurz vor der Wirbelsäule verläuft und sehr langstreckig ist. Die laparoskopische bzw. robotisch-assistierte Chirurgie benötigt nur einige kleine Schnitte, um die Kanäle für die Instrumente einzubringen und dann diese tief im Körper verborgenen Bereiche zu erreichen. Dies resultiert in minimaler Narbenbildung.
Im Rahmen der laparoskopischen Harnleiterrekonstruktionen tritt in der Regel praktisch kaum Blutverlust auf.
Kleinere Schnitte resultieren in weniger Schmerz als es bei offener Chirurgie der Fall ist, sie heilen schneller und komplikationsfreier. Wir können unsere Patienten schneller aus dem entlassen und sie kehren schneller zu ihren normalen Aktivitäten zurück als dies bei offener Chirurgie erforderlich ist.
Die Anwendung des Da-Vinci-Systems erlaubt dem Chirurgen einen dreidimensionalen Blick des Operationsfeldes, dies ist mit konventioneller Schlüssellochtechnik und ihrer zweidimensionaler Kamera nicht möglich. Außerdem sind die Operationsinstrumente des Roboters im Körper beweglicher als kleine Hände und somit ist ein sehr präzises und auf den individuellen Fall abgestimmtes Operieren möglich. Es wird vollkommen zitterfrei gearbeitet, da der Roboter hier alles ausführt. Jede Bewegung der Operationsinstrumente wird ausschliesslich vom Chirurgen vorgenommen. Das Gerät führt keine Massnahmen selbst durch. Eine Bewegung von 5 mm durch den Chirurgen wird in eine 1 mm Bewegung im Körper übersetzt (verfeinert) Für den Chirurgen ergibt sich eine sehr günstige Situation, die Operationen verlaufen in der Regel sehr ruhig ab. Der Chirurg sitzt an seiner Konsole. All diese Vorteile zahlen sich für am Ende für unsere Patienten aus.
Die Klinik für Urologie Bochum ist eine der wenigen Kliniken in Deutschland, die rekonstruktive Maßnahmen am oberen und unteren Harntrakt unter Einsatz des Da-Vinci-Systems anbietet.
Das Da-Vinci-System wird bei uns arbeitstäglich eingesetzt. Insbesondere verwenden wird es zur Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs (häufigste Operation) sowie zur Entfernung von Harnblasen bei Blasenkrebs und zur Teilentfernung bei Nierentumoren.
Zudem verwenden wir das System aber auch für die Re-Konstruktion des oberen Harntraktes. Wir waren eine der ersten deutschen Kliniken, die die robotisch-assistierte Nierenbeckenplastik und robotisch-assistierte Ureter (Harnleiter) Re-Implantation angeboten haben.