Klinik für Urologie Bochum

Niere

Harnsteine

Harnsteine sind eine Volkskrankheit mit ansteigender Häufigkeit in Deutschland und anderen westlichen Industrieländern. Jeder 10. Einwohner wird im Laufe seines Lebens einmal mit einem solchen Stein konfrontiert werden.

Die Therapie von Nieren- und Harnleitersteinen erfolgt heute in praktisch allen Fällen minimal-invasiv, das heisst ohne Schnitt.
Das Behandlungs-Spektrum reicht von der Zertru¨mmerung von außen mittels ESWL (berührungsfreie Steinzertrümmerung) bis zu den endoskopischen Verfahren in Narkose.
Der Stein ist nur das Symptom einer Erkrankung! Sie selbst können dazu beitragen, dass das Risiko einer erneuten Harnsteinbildung reduziert wird.

Harnsteinarten

Es gibt verschiedene Harnsteinzusammensetzungen. Nachfolgend werden Ihnen zu den verschiedenen Steinarten entsprechende Empfehlungen aufgezeigt.
Die angegebenen Präventionsmaßnahmen sind ebenfalls allgemein gehalten und können somit nur zur Orientierung dienen. Insbesondere bei wiederholter Steinbildung ist die Vorstellung in einem auf Harnsteine spezialisiertem Zentrum erforderlich, da eine individuell angepasste medikamentöse Prophylaxebehandlung nur nach vorausgehender Stoffwechseluntersuchung möglich ist.

Kalziumoxalatsteine
Kalziumoxalat-Monohydrat (Whewellit)
Kalziumoxalat-Dihydrat (Weddellit)

Risikofaktoren

  • Erhöhte Kalziumausscheidung mit dem Urin bei Stoffwechselstörungen wie z.B. einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus)
  • Erhöhte Oxalatausscheidung mit dem Urin bei vermehrter Oxalataufnahme oder Erkrankungen des Dünndarms (z.B. Morbus Crohn)
  • Metabolisches Syndrom (Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhtes Cholesterin, erhöhte Harnsäure)
  • Konzentrierter Urin durch zu wenig Flüssigkeitsaufnahme
  • Erniedrigte Ausscheidung von Hemmstoffen der Steinbildung wie Magnesium oder Zitrat

Allgemeine Präventionsmaßnahmen

  • Steigerung der Flüssigkeitszufuhr: 2,5-3 Liter pro Tag, gleichmäßig über den Tag verteilt
  • Physische Aktivität (Sport)
  • Normalisierung des Gewichts
  • Ausgewogene Ernährung:
    • Reduzierung der Oxalataufnahme (Spinat, Rhabarber, Mangold, Kakao, Nüsse)
    • Reduzierung der tierischen Eiweisse und Purine (Fleisch, Wurstwaren) auf ca. 1g/kg Körpergewicht
    • Reduzierung der Salzzufuhr auf ca. 4-5g pro Tag
    • Normale Kalziumzufuhr (ca. 1g pro Tag): Kein Meiden von Milchprodukten
    • Einstellung des Urin-pH auf 6,5-7,0: bikarbonatreiches Mineralwasser, Ballaststoffe, Zitrate

Medikamentöse Prophylaxe

Bei rezidivierender Steinbildung trotz Einhaltung der allgemeinen Präventionsmaßnahmen sollte eine Stoffwechseluntersuchung einschließlich Sammelurinuntersuchung durchgeführt werden. Je nach Ergebnis ist eine medikamentöse Prophylaxebehandlung notwendig. Hierzu häufig eingesetzte Medikamente sind Alkalizitrate, Thiazide oder Magnesium.

Harnsäuresteine

Risikofaktoren

  • Erhöhte Harnsäureausscheidung mit dem Urin bei Stoffwechselstörungen oder unausgewogener Ernährung mit zu viel tierischen Eiweißen, Alkohol, Fastenkuren
  • Erniedrigter Urin-pH (<6)
  • Metabolisches Syndrom (Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhtes Cholesterin, erhöhte Harnsäure)
  • Konzentrierter Urin durch zu wenig Flüssigkeitsaufnahme

Allgemeine Präventionsmaßnahmen

  • Steigerung der Flüssigkeitszufuhr: 2,5-3 Liter pro Tag, gleichmäßig über den Tag verteilt
  • Physische Aktivität (Sport)
  • Normalisierung des Gewichts
  • Ausgewogene Ernährung:
    • Reduzierung der Purinaufnahme (Fleisch, Wurstwaren, Innereien, Alkohol, Sojaprodukte, Hülsenfrüchte)
    • Reduzierung der tierischen Eiweisse (Fleisch, Wurstwaren) auf ca. 1g/kg Körpergewicht
    • 2 fleischlose Tage pro Woche
    • Erhöhung der Ballaststoffzufuhr (Salat, Gemüse, Obst)
    • Einstellung des Urin-pH auf 6,8-7,2: bikarbonatreiches Mineralwasser, Ballaststoffe, Zitrate (Zitrussäfte)

Medikamentöse Prophylaxe

Bei rezidivierender Steinbildung trotz Einhaltung der allgemeinen Präventionsmaßnahmen sollte eine Stoffwechseluntersuchung einschließlich Sammelurinuntersuchung durchgeführt werden. Je nach Ergebnis ist eine medikamentöse Prophylaxebehandlung notwendig. Hierzu häufig eingesetzte Medikamente sind Alkalizitrate oder Allopurinol.

Phosphatsteine
Magnesium-Ammonium-Phosphat (Struvit) Kalziumphospat (Carbonapatit, Brushit)

Risikofaktoren

  • Erhöhte Kalziumausscheidung mit dem Urin bei Stoffwechselstörungen wie z.B. einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus)
  • Harnwegsinfekte
  • Hoher Urin-pH (>6,5) bei Stoffwechselstörungen wie der renal-tubulären Azidose
  • Konzentrierter Urin durch zu wenig Flüssigkeitsaufnahme
  • Erhöhte Phosphat- oder erniedrigte Magnesiumausscheidung

Allgemeine Präventionsmaßnahmen

  • Steigerung der Flüssigkeitszufuhr: 2,5-3 Liter pro Tag, gleichmäßig über den Tag verteilt
  • Physische Aktivität (Sport)
  • Normalisierung des Gewichts
  • Behandlung von Harnwegsinfekten
  • Ausgewogene Ernährung:
    • Reduzierung der Phosphataufnahme (Käse, Hülsenfrüchte, Kakao, Nüsse, Leber)
    • Reduzierung der tierischen Eiweisse und Purine (Fleisch, Wurstwaren) auf ca. 1g/kg Körpergewicht
    • Reduzierung der Salzzufuhr auf ca. 4-5g pro Tag
    • Normale Kalziumzufuhr (ca. 1g pro Tag): Kein Meiden von Milchprodukten
    • Einstellung des Urin-pH auf 6,0-6,2: saures Mineralwasser, Preiselbeersaft

Medikamentöse Prophylaxe

Bei rezidivierender Steinbildung trotz Einhaltung der allgemeinen Präventionsmaßnahmen sollte eine Stoffwechseluntersuchung einschließlich Sammelurinuntersuchung durchgeführt werden. Je nach Ergebnis ist eine medikamentöse Prophylaxebehandlung notwendig. Hierzu häufig eingesetzte Medikamente sind Thiazide oder Magnesium. Bei Vorliegen von chronischen oder rezidivierenden Harnwegsinfekten ist ggf. eine niedrigdosierte Dauerantibiotikagabe notwendig.

Zystinsteine

Ursache

Angeborene Stoffwechselstörung bei der es durch einen Gendefekt zu einer erhöhten Ausscheidung der Aminosäure Zystin im Urin kommt. Da Zystin extrem schlecht löslich ist, bilden die betroffenen Patienten sehr häufig Harnsteine.

Allgemeine Präventionsmaßnahmen

  • Steigerung der Flüssigkeitszufuhr: 4-5 Liter pro Tag, gleichmäßig über den Tag verteilt (Trinken auch zu Nacht!)
  • Die Urinmenge sollte mindestens 3 Liter pro 24 Stunden betragen
  • Physische Aktivität (Sport)
  • Normalisierung des Gewichts
  • Reduzierung der Salzzufuhr auf ca. 4-5g pro Tag

Medikamentöse Prophylaxe

Da die oben beschriebenen allgemeinen Präventionsmaßnahmen nicht ausreichend sind, um die Steinbildung zu verhindern, ist eine zusätzliche medikamentöse Prophylaxebehandlung bei fast allen Patienten notwendig. Hierzu wird der Urin-pH mit Alkalizitraten auf Werte >7,5 eingestellt, da die Löslichkeit von Zystin in diesem Bereich deutlich zunimmt. Sollte die Steinbildung hierunter weiter bestehen, ist die zusätzliche Gabe von Tiopronin indiziert.

Da die Zystinsteinbildner in besonderem Maße als Risikopatienten anzusehen sind, ist eine lebenslange Bindung an ein urologisches Steinzentrum mit engmaschigen Kontrollen notwendig.

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