KLINIK FÜR UROLOGIE BOCHUM
Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard Ubrig

Blasenentleerungsstörung (Harnverhalten)

Die Harnblase ist ein Hohlmuskel, der mit Blasenschleimhaut ausgekleidet ist und als Reservoir für den Urin dient, der stetig von den Nieren produziert wird. Wieviel Urin die Harnblase maximal speichern kann ist von Mensch zu Mensch verschieden, als Richtwert kann man von ca. 500 ml ausgehen. Kann die Harnblase nicht vollständig oder überhaupt nicht entleert werden, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Zunächst steigt die Kapazität der Harnblase deutlich. Werte von 1500 ml oder in Einzelfällen sogar darüber sind möglich. Neben einem weiteren Funktionsverlust der Blase kann es auch zu einem Rückfluss des Urins in die Nieren kommen. Dies schädigt mittelfristig die Nieren und führt auf Dauer zu einem vollständigen Funktionsverlust mit drohender Dialyse. Ferner kann es zu einer so genannten Überlaufblase (Überlaufinkontinenz) kommen. Hierbei ist die Harnblase so stark gefüllt, dass es durch ein "Überlaufen" zu ungewolltem Urinverlust aus der Harnröhre kommt.

Ursachen

Die Ursachen einer Blasenentleerungsstörung im Sinne eines Harnverhaltens können vielfältig sein.
Folgende kommen in Betracht:

  • Schädigung des Rückenmarks im Sinne einer Querschnittslähmung z.B. durch einen Unfall 
  • Schädigung der Nervenversorgung der Harnblase z.B. nach großen Operationen im Bereich des Beckens bei Darm- oder Gebärmutterhalskrebs
  • Polyneuropathie bei Diabetes mellitus
  • Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Parkinson, Schlaganfall, Multiple Sklerose)
  • Die gutartige Prostatavergrößerung beim Mann
  • Harnröhren- oder Blasenhalsengen
  • Autoimmunerkrankungen 
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Psychopharmaka)
  • Psychosomatische Ursachen

Aufgrund dieser Vielzahl steht in der Klinik für Urologie in Bochum eine umfangreiche und gewissenhafte Diagnostik im Vordergrund. Denn nur, wenn die tatsächliche Ursache bekannt ist, kann eine effektive Therapie erfolgen. 

Neurosakrale Modulation („Blasenschrittmacher“)

Nach Ausschluss einer mechanischen Ursache und Nachweis einer Nervenschädigung kann diese Form der Therapie Abhilfe schaffen. 
Um den Erfolg einer Therapie abschätzen zu können, erfolgt zunächst ein Testlauf, bei dem ganz ohne Hautschnitt unter Vollnarkose Elektroden an die Nerven des unteren Rückens herangebracht werden. Nach dem Ende der Narkose kann der Patient nun mittels eines Steuergerätes mit leichtem Strom die Nerven, die für die Versorgung der Harnblase zuständig sind, ansteuern und somit feststellen, ob so eine Blasenentleerung möglich ist.
Nach erfolgreichem Testlauf erfolgt die Implantation eines Gerätes unter die Haut oberhalb des Gesäßes, an welches die Elektroden unterhalb der Haut angeschlossen werden. Der Eingriff ist minimalinvasiv mit einem kleinen Hautschnitt und nahezu ohne Belastung für den Körper. Die Steuerung des Schrittmachers erfolgt kabellos über ein weiteres Gerät, das nicht implantiert wird und vom Patienten stets bedient werden kann. Die Blasenentleerung erfolgt sozusagen "auf Knopfdruck". Sollte es im Dauereinsatz zu Problemen kommen, kann das Gerät jederzeit deaktiviert und im Zweifelsfall auch problemlos wieder entfernt werden. Der Wechsel der Batterie erfolgt je nach Modell und Intensität der Stromreize alle 5-10 Jahre. 
Weitere Einsatzgebiete dieses Gerätes sind die Überaktive Harnblase sowie Stuhlinkontinenz und chronische Verstopfung (Obstipation) 

Intermittierender Selbstkatheterismus (ISK)

Bei diesem Verfahren erlernt der Patient die Harnblase nach der Uhr mehrmals täglich mittels eines dünnen Einmalkatheters zu entleeren. So können schwerwiegende Schäden von Harnblase und Nieren dauerhaft abgewendet werden. Ein Nachteil liegt in dem Infektionsrisiko, da auf diesem Wege leicht Bakterien in den Urin gelangen können.

Bauchdeckenkatheter (SPFK)-Dauerversorgung

Die vorübergehende oder dauerhafte Katheterversorgung mittels eines Bauchdeckenkatheters kann z.B. bei pflegebedürftigen Patienten eine gute, hygienische Lösung darstellen. Hierbei wird 2 Finger oberhalb des Beckenknochens ein Katheter über die Bauchdecke in die Blase gelegt. Der so eingelegte Katheter muss alle 4-6 Wochen gewechselt werden. Dies geschieht über den bereits etablierten Kanal und wird vom niedergelassenen Urologen durchgeführt. 

Harnröhrenkatheter (DK)-Dauerversorgung

Ist die Anlage eines Bauchdeckenkatheters bei Pflegepatienten nicht möglich oder nicht gewünscht, so kann die dauerhafte Urinableitung über einen Katheter in der Harnröhre erfolgen. Dieser wird alle 3-4 Wochen z.B. von einem Pflegedienst gewechselt.

Entfernung der Harnblase (Zystektomie)

Sollten die vorangegangenen Therapieversuche nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, so ist auf Wunsch des Patienten auch eine Entfernung der Harnblase möglich. Sinnvolle Möglichkeiten des Harnblasenersatzes sind hier die Beutellösung (Ileum-Conduit) oder eine katheterisierbare Bauchnabelblase.
Diese Art der Operation hat sich in den letzten 20 Jahren international stark entwickelt. Die Spezialisten unseres Teams haben diese Entwicklung begleitet und aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung die Operationen regelmäßig in hoher Anzahl selbst durchgeführt. Es ist der Klinik für Urologie daher heute möglich, jedem Patienten eine maßgeschneiderte Lösung für seine individuelle Situation anzubieten. Immer bemühen wir uns auch um kosmetisch ansprechende Lösungen – entweder durch Einsatz von minimal-invasiver (Schlüsselloch-) Chirurgie oder durch minimierte Hautschnitte. Grundsätzlich werden zurzeit für Harnblasenersatzoperationen weltweit Darmsegmente (Dünn- und oder Dickdarm) verwendet. An einem anderen Ersatzgewebe („Tissue engineering“) wird seit ca. 10 Jahren intensiv international gearbeitet, ohne dass bisher praxistaugliche Lösungen entstanden sind. In Abhängigkeit von Alter und allgemeinem Gesundheitszustand sucht unser Team mit Ihnen nach der individuell am besten geeigneten Lösung. Dies bedarf einer sehr ausführlichen und individuellen Aufklärung und Absprache.

Weitere Informationen finden Sie in dem Abschnitt Harnblasenersatz.

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Kontakt

Für fachliche Fragen erreichen Sie unsere Ärzte per E-Mail oder Sie lassen sich über unser Sekretariat unter Tel. 0234 / 517-2651 verbinden.
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