KLINIK FÜR UROLOGIE BOCHUM
Chefarzt Prof. Dr. med. Burkhard Ubrig

Harnblasenersatz bei Entfernung der Harnblase

Falls ein Tumor sich aus der Blasenschleimhaut in das umgebende Gewebe ausgedehnt hat, wird die Entfernung der Harnblase samt der zugehörigen Lymphknoten notwendig. Diese Entfernung führen wir entweder auf offen chirurgischem Weg oder in minimal-invasivem Verfahren durch – ganz in Abhängigkeit der individuellen Situation jeder Patientin oder jedes Patienten. Die chirurgisch präzise und komplette Entfernung der Blase, ggf. Prostata und die Entfernung aller zugehöriger Lymphknoten ist von entscheidender Bedeutung. Wir beachten streng und übertreffen die Empfehlungen der European Association of Urology.

Wenn aufgrund einer Krebserkrankung eine Harnblase entfernt wurde, steht uns eine Anzahl unterschiedlicher Ersatzmöglichkeiten zur Verfügung. Grundsätzlich wird für Harnblasenersatzoperationen Gewebe aus dem Dünn- oder Dickdarm verwendet. An einem anderen Ersatzgewebe („Tissue engineering“) wird international gearbeitet, ohne dass bisher praxistaugliche Lösungen entstanden sind.

Nach der Entfernung der Harnblase wird die Bildung eines Blasenersatzes notwendig, der den Patienten eine möglichst hohe Lebensqualität gewährleisten muss. Unser besonderes Augenmerk und ein Schwerpunkt unserer Arbeit stellen wiederherstellende (rekonstruktive) Maßnahmen an den ableitenden Harnwegen, also Nierenbecken, Harnleiter, Blase, Harnröhre, dar.

Harnblasenersatzoperation haben in den vergangenen Jahren an Häufigkeit zugenommen und verlaufen zugleich immer erfolgreicher. Die Spezialisten unseres Teams haben diese Entwicklung begleitet und führen mit ihrer jahrelangen Erfahrung die Operationen regelmäßig in hoher Anzahl selbst durch. Dabei bemühen wir uns immer auch um kosmetisch ansprechende Lösungen. In Abhängigkeit von Alter und allgemeinem Gesundheitszustand sucht unser Team gemeinsam mit Ihnen nach der individuell am besten geeigneten Lösung. 

Minimal-invasive Blasenentfernung (Zystektomie)

Diese Art der Operation hat sich in den letzten 20 Jahren international stark entwickelt. Die Spezialisten unseres Teams haben diese Entwicklung begleitet und aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung die Operationen regelmäßig in hoher Anzahl selbst durchgeführt. Es ist der Klinik für Urologie daher heute möglich, jedem Patienten eine maßgeschneiderte Lösung für seine individuelle Situation anzubieten. Immer bemühen wir uns auch um kosmetisch ansprechende Lösungen – entweder durch Einsatz von minimal-invasiver (Schlüsselloch-) Chirurgie oder durch minimierte Hautschnitte. Grundsätzlich werden zurzeit für Harnblasenersatzoperationen weltweit Darmsegmente (Dünn- und oder Dickdarm) verwendet. An einem anderen Ersatzgewebe („Tissue engineering“) wird seit ca. 10 Jahren intensiv international gearbeitet, ohne dass bisher praxistaugliche Lösungen entstanden sind. In Abhängigkeit von Alter und allgemeinem Gesundheitszustand sucht unser Team mit Ihnen nach der individuell am besten geeigneten Lösung. Dies bedarf einer sehr ausführlichen und individuellen Aufklärung und Absprache.

Bitte vereinbaren Sie einen Beratungstermin über unser Kontaktformular oder telefonisch über unser Sekretariat.

Minimal-invasive Blasenersatzoperation (Neoblase)

Dies ist die Lösung, die viele Patienten bevorzugen. Aus ca. 50 cm Dünndarm wird eine neue Harnblase geformt und an die Harnröhre und die Harnleiter angeschlossen. Nach einer Übergangszeit kann der Patient/die Patientin wieder weitgehend normal auf natürlichem Wege Wasser lassen.

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Mainz-II-Pouch (Sigma-Rektum-Pouch)

Dies ist vom Ansatz die älteste Form der kontinenten Ersatzblase: Der Urin wird in den Dickdarm eingeleitet und dort gesammelt. Seine Ausscheidung bzw. die Kontinenz hängen von einem funktionierenden Anal-Schließmuskel ab. Die Sigma-Rektumblase ist eine gute, zuverlässige Methode, wird jedoch nur in Ausnahmefällen angewandt.

Wir beraten Sie gern über die Möglichkeiten. Eine individuelle Beratung erfolgt durch das Team der Klinik für Urologie in Bochum.

Katheterisierbarer Pouch (Bauchnabelblase)

Auch Patienten, bei denen der Schließmuskel oder die Harnröhre aufgrund der Tumorausdehnung nicht erhalten werden können, müssen nicht auf einen kontinenten Harnblasenersatz verzichten. Die Ersatzblase wird kontinent an den Nabel angeschlossen und muss über Selbst-Katheterismus entleert werden.

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Ileum-Conduit (Beutellösung)

Dies ist die Standard-Lösung für Patienten, bei denen eine kontinente Harnableitung aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in Frage kommt oder die diese Standardlösung präferieren. Der Urin wird über ein kurzes Dünndarmstück auf die Bauchhaut geleitet und dort in einem speziellen Klebebeutel (Stomabeutel) aufgefangen. Das Stoma liegt vorzugsweise im rechten Unterbauch. Die Stomaversorgung ist absolut unauffällig, geruchsfrei und ermöglicht Fernreisen und sogar Schwimmbadbesuche.

Auch wenn wir in den meisten Fällen versuchen, eine sogenannte Ersatzblase mit Harnspeicherung im Bauchraum und ohne Beutel anzubieten:

Das Leben mit einem Stoma ist gut und ohne große Einschränkungen möglich.

Colon-Conduit

Anstelle von Dünndarm kommt hier Dickdarm zur Anwendung, um die Harnleiter zu verlängern und den Harn auf die Bauchhaut zu leiten. Dies kann erforderlich werden, wenn ein Mangel an Dünndarm besteht oder vorbestrahlt wurde.

Harnleiter-Haut-Fistel

Dies ist die einfachste Lösung, den Harn auf die Bauchhaut zu leiten. Sie erfordert meist eine dauerhafte Schienung der Harnleitereinpflanzungsstellen, um Verengungen vorzubeugen. Die Methode kommt bei sehr gebrechlichen Patienten, oder wenn kein Darm zur Rekonstruktion mehr entbehrt werden kann, zur Anwendung.