KLINIK FÜR UROLOGIE BOCHUM
Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard Ubrig

Harnleitertumor

Tumore des Harnleiters gehen in den meisten Fällen von der Harnwegschleimhaut aus und sind in der Regel bösartig, selten gutartig. Die Hauptursachen sind Tabakkonsum sowie die jahrelange Exposition mit Anilin, das vor allem in Farben und Lacken vorkommt. Das erste Zeichen ist meist sichtbares oder nur mit Teststreifen nachweisbares Blut im Urin ohne gleichzeitig auftretende Schmerzen. Oft wird auch im Rahmen einer Routineuntersuchung beim Hausarzt eine symptomlose, gestaute Niere, als Ausdruck einer Verlegung des Harnleiters durch einen Tumor, festgestellt. In diesem Falle sollte unbedingt eine Abklärung mittels Röntgen oder Blasen- bzw. Harnleiterspiegelung erfolgen. Zur weiteren Diagnostik kann auch die Computertomographie herangezogen werden.

In der Regel ist zur Heilung der Erkrankung eine Entfernung der betroffenen Niere sowie des anhängigen Harnleites inklusive eines kleinen Stückes der Harnblase (Harnblasenmanschette), dort, wo der Harnleiter in die Blase mündet, nötig.

In der Klinik für Urologie Bochum vertreten wir jedoch die Philosophie, die Niere wenn möglich zu erhalten und somit den Patienten vor einem möglichen Verlust der Nierenfunktion zu bewahren.

Erhalt der Niere trotz Harnleitertumor

Früher wurde bei einem Tumorbefall des Harnleiters in der Regel die komplette Niere inklusive des Harnleiters und eines Teils der Harnblase entfernt. Heutzutage ist dies nur noch in Ausnahmefällen notwendig. Der Chefarzt der Klinik für Urologie Bochum, PD Dr. med. Ubrig und sein Team sind spezialisiert auf die nierenerhaltende Therapie von Harnleitertumoren. Dies ist für allem für Patienten wichtig die bereits unter einer Nierenschwäche leiden oder gar nur noch eine funktionierende Niere besitzen. Hier gilt es, eine drohende Abhängigkeit von einer Dialyse (Blutwäsche) abzuwenden.

Minimalinvasive Laserbehandlung

Mittels eines dünnen Gerätes gelangen wir minimal-invasiv über die natürlichen Öffnungen des Körpers, d.h. ohne Hautschnitt, in den Harnleiter. Dieses Endoskop hat eine Kameraoptik, sowie einen Arbeitskanal, durch den eine Laserfaser an den Tumor gebracht und dieser damit verdampft wird. Dieses Verfahren kommt bei Patienten zur Anwendung, bei denen aus verschiedenen Gründen eine Operation mit Entfernung des kompletten erkrankten Harnleiterabschnittes nicht in Betracht kommt oder nicht gewünscht wird. Möglicherweise wird zudem die Dauerversorgung mit einer Harnleiterschiene erforderlich. Die Laserbehandlung ist für aggressive Tumoren nicht geeignet, da sie nicht tief genug reicht. Bei den restlichen Tumoren ist leider die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens sehr hoch und es sind regelmässige Kontrollen mit dem Endoskop erforderlich.

End-zu-End Anastomose (minimal-invasiv)

Diese Prozedur wird durchgeführt, wenn der Tumor des Ureters (Harnleiters) im oberen oder mittleren Bereich liegt. Es ist in diesen Fällen notwendig, den betroffenen Bereich auszuschneiden und dann die verbliebenen Anteile wieder zu vernähen. Dies ist in der Regel nur bei lokal begrenzten Tumoren auf einer Länge von 1 bis 2 cm möglich. Die Ränder des ausgeschnittenen Anteils werden noch während des Eingriffs zu den Experten der Klinik für Pathologie unseres Hauses gesendet und dort sofort als Schnellschnitt unter dem Mikroskop auf Tumorfreiheit untersucht. Dies stellt sicher, dass der Tumor restlos und sauber entfernt wird.

Entfernung tiefsitzender Harnleitertumore

Bei Tumoren, die im unteren Drittel des Harnleiters positioniert sind, ist meist die Entfernung des kompletten unteren Harnleiterdrittels am einfachsten und sinnvollsten. Je nach Situation kann dies minimal-invasiv oder über einen kleinen Hautschnitt erfolgen. Das gesunde Ende des Harnleiters wird wieder mit der Harnblase verbunden. Wenn das gesunde Ende des Harnleiters zu weit von der Harnblase entfernt ist, um eine spannungsfreie Naht zu erreichen, muss die Harnblase zum gesunden Ureterabschnitt hin bewegt werden, um eine spannungsfreie Verbindung zwischen Harnleiter und Blase zu ermöglichen. Dazu wird die Harnblase teilweise von Verwachsungen befreit und wird dann an der Sehne des Psoas-Muskels angenäht. (Psoas-bladder-hitch-Plastik). Dies eliminiert die Spannung zwischen dem Harnleiterende und der Blase. Die Ränder des ausgeschnittenen Anteils werden noch während des Eingriffs zu den Experten der Klinik für Pathologie unseres Hauses gesendet und dort sofort als Schnellschnitt unter dem Mikroskop auf Tumorfreiheit untersucht. Dies stellt sicher, dass der Tumor restlos und sauber entfernt wird. 

Ileum-Interponat (minimal-invasiv)

Durch den Chefarzt der Klinik für Urologie in Bochum wurde in Deutschland das laparoskopisch-assistierte Ileuminterponat etabliert. Hier handelt es sich um einen kompletten Ersatz des gesamten Harnleiters vom Nierenbecken bis zur Harnblase durch ein 15 bis 20 cm langes Stück Dünndarm (Ileum).

Früher war dazu regelmäßig ein Schnitt vom Brustkorb bis in den Genitalbereich erforderlich. Dies kann nun ohne große Schnitte elegant über die Technik der Schlüssellochchirurgie in hoher Präzision durchgeführt werden. Diese Art von Maßnahme ist aber nur erforderlich bei sehr langstreckigem Tumorbefall. Die Ränder des ausgeschnittenen Anteils werden noch während des Eingriffs zu den Experten der Klinik für Pathologie unseres Hauses gesendet und dort sofort als Schnellschnitt unter dem Mikroskop auf Tumorfreiheit untersucht. Dies stellt sicher, dass der Tumor restlos und sauber entfernt wird.

Minimalinvasive Entfernung von Niere und Harnleiter

(da Vinci Nephroureterektomie; laparoskopische Nephroureterektomie) In den letzten Jahren ist diese Art der Nieren- und Harnleiterentfernung zu einem Standardverfahren in der Urologischen Chirurgie geworden. Über feine Instrumente werden Niere und Harnleiter unter bis zu 20-facher Vergrößerung über eine HDTV–Video-Kette aus ihrer Umgebung gelöst. Diese ermöglicht eine besonders präzise Operationstechnik. Die Bergung der Niere mitsamt Harnleiter erfolgt im Ganzen in einem speziellen Bergebeutel und der Schnitt wird nur so groß, wie eben nötig. Priv.-Doz. Dr. med. Ubrig, der Chefarzt der Klinik für Urologie in Bochum, hat diese Methode seit 2002 in Deutschland mit verbreitet.

Offene Entfernung von Niere und Harnleiter

Bei sehr großen, komplizierten Tumoren, grossen Lymphknotenmetastasen oder bei umfangreichen Voroperationen kann es nötig sein, Niere und Harnleiter über einen Flanken- und Unterbauchschnitt zu entfernen. Hier wird zunächst die betroffene Niere über den Flankenschnitt entfernt um dann im Unterbauch der entsprechenden Seite einen zweiten Hautschnitt anzulegen um den unteren Teil des Harnleiters samt einer Harnblasenmanschette zu entfernen.