KLINIK FÜR UROLOGIE BOCHUM
Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard Ubrig

Nierentumor (Nierenkrebs)

Bösartige Nierentumoren gehören zu den häufigsten Tumoren des Menschen. In aller Regel besteht die Behandlung in der operativen Entfernung des Tumors.

Der weit überwiegende Teil unserer Patienten wird erfreulicherweise dauerhaft vom Tumor geheilt. Bestrahlung und konventionelle Chemotherapie sind in der Regel bei der Behandlung eines Tumors in der Niere nicht wirksam.

Fast alle Nierentumoren werden heutzutage zufällig entdeckt, als Knotenbildung an der Niere beispielsweise auf einer Computertomographie, Kernspintomographie (MRT) oder Ultraschalluntersuchung. In seltenen Fällen werden unserer Patienten zunächst durch Blut im Harn oder Schmerzen auffällig und danach erst wird der Tumor durch abklärende Untersuchungen entdeckt.

Liegt ein tumorverdächtiger Knoten in der Niere vor und die Diagnose ist unklar, besteht die Möglichkeit, Proben aus dem Nierentumor mittels einer feinen Nadel (Nadelbiopsie) zu gewinnen. Dies kann in unserer Klinik unter Zielführung mit dem Computertomographen durchgeführt werden. Häufig ist die Diagnose allerdings auch ohne solch eine Biopsie sicher aus den Bildern zu bestimmen und eine Biopsie erübrigt sich.

Zusätzlich wird vor der Nierenoperation untersucht, ob Absiedelungen des Tumors in der Niere in den Lymphdrüsen, der Lunge, der Leber oder den Knochen vorliegen (sogenannte Metastasen).

Erhalt der Niere trotz Tumor

(Nierenteilresketion; Nephronsparende Resektion) Bei der Auswahl und der Planung des Operation müssen viele Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Fast immer muss ein Nierentumor operativ behandelt werden.

Der weit überwiegende Teil unserer Patienten wird erfreulicherweise dauerhaft vom Tumor geheilt.

In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass trotz Tumors in vielen Fällen der Erhalt der befallenen Niere möglich ist. Ob dies im Einzelfall sinnvoll ist oder ob die Tumorniere besser komplett entfernt wird hängt von vielen Einzelfaktoren ab, die wir ausführlich mit Ihnen diskutieren. Bei der überwiegenden Mehrzahl unserer Patienten gelingt es uns heute, den gesunden Teil der Niere zu erhalten. Dies hat sehr günstige langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit (Blutdruck, Herzkranzgefäße usw.).  

Minimal-invasive Nierentumoroperation

Wenn immer sinnvoll und möglich führen wir die Operationen in der modernen und hochpräzisen Schlüssellochtechnologie mit einigen kleinen Schnitten (Knopflochchirurgie, da Vinci) durch. Heutzutage können wir in vielen Fällen unseren Patienten die tumorbefallene Niere erhalten und ausschliesslich den Tumor entfernen.

In den letzten Jahren ist diese Art der Nierenoperation zu einem Standardverfahren in der Urologischen Chirurgie geworden. Priv.-Doz. Dr. med. Ubrig, der Chefarzt der Klinik für Urologie in Bochum, hat diese Methode seit 2002 in Deutschland mit verbreitet. Es werden 3-4 kleine Hautschnitte gemacht und über feine Kanäle Instrumente in den Bauch eingebracht. Seit 2010 wird zur Unterstützung in vielen Fällen zudem das da Vinci System für die Operation eingesetzt.

Über feine Instrumente wird die Niere unter bis zu 20-facher Vergrößerung dargestellt. Der Tumorknoten kann aufgesucht und millimetergenau aus dem gesunden Nierengewebe ausgeschnitten werden. Die Bergung des Tumors erfolgt im Ganzen in einem speziellen Bergebeutel. Der so entfernte Tumor wird dann sofort von den Experten des Instituts für Pathologie unseres Hauses unter dem Mikroskop untersucht. Dadurch können wir noch während der Operation sicherstellen, dass der Krebs vollständig aus dem Körper entfernt wurde. Wenn immer möglich, wird bei der Operation die Niere erhalten. In seltenen Fällen ist die die komplette Entfernung der Niere sinnvoller. Dies wird im Vorfeld genau besprochen. In diesem Fall kann auch die komplette Niere im Ganzen in einem speziellen Bergebeutel geborgen werden und der Schnitt wird nur so groß, wie eben nötig.

Diese Operationsverfahren – ob mit oder ohne Einsatz des da Vinci Systems – bieten viele Vorteile für unsere Patienten: Kaum Schmerzen, hohe Sicherheit, kaum Blutverlust, schnelle Entlassung (nach ca. 3 Tagen) aus dem Krankenhaus, gute Kosmetik.

Offene Nierentumoroperationen

Bei sehr großen bzw. komplizierten Tumoren oder wenn der Tumor in die großen Blutgefäße des Körpers einwächst, ist eine Operation über einen Schnitt an der Flanke oder die Bauchmitte erforderlich.

Im Falle des Einwachsens in die großen Blutgefäße (Vena cava Zapfen) arbeiten wir eng mit den Experten der Klinik für Gefäßchirurgie unseres Hauses zusammen.

Kalte Ischämie

Um den Blutverlust während eines Eingriffs an der Niere, sepziell der Nierenteilresektion zu minimieren, kann es notwendig sein, die Blutversorgung des Organs kurzfristig zu unterbrechen. Damit das gesunde Nierengewebe dadurch keinen Schaden nimmt, wird das Organ mit sterilem Eis heruntergekühlt und somit unempfindlich gegen mangelnde Blutversorgung. Dieses Prinzip wird seit Jahren erfolgreich bei Organtransplantationen oder in der Neurochirurgie angewendet. Durch dieses Verfahren können wir auch z.B. in Situationen, in denen nur noch eine funktionsfähige Niere vorhanden oder die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist, eine Teilresektion durchführen und gleichzeitig das Risiko einer drohenden Dialyse auf ein Minimum reduzieren.

Operation von sehr grossen Nierentumoren

Dank unserer engen Zusammenarbeit mit der Klinik für Gefäßchirurgie und der Kliniken für Onkologie und Nephrologie sowie der leistungsfähigen Intensivstation ist auch die Behandlung sehr schwieriger Fälle in der Klinik für Urologie in Bochum möglich. 

Nierentumoroperation und Nierenfunktion

Auf die Bewahrung der Nierenfunktion und die Vermeidung von Dialyse wird größte Sorgfalt bei der Planung der Nierentumoroperationen gelegt. Eventuell ist im Vorfeld der Operation eine Nierenfunktionsbestimmung (Nierenfunktionsszintigraphie) erforderlich.

Dabei sind unterschiedlichste Konstellationen denkbar:

In fast allen Fällen lässt sich die Nierenfunktion erhalten und unsere Patienten können unbeieinträchtigt weiterleben. Sie spüren kenen Unterschied zu vorher.

Alternative: Radiofrequenz – Ablation von Nierentumoren

(RITA= Radiofrequency Interstitial Tissue Ablation). In enger Zusammenarbeit mit der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Matthias Bollow bieten wir als Behandlungsalternative, vor allem bei Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko, die Radiofrequenzinduzierte Thermoablation (RITA) von Nierenkarzinomen an. Hier bei wird unter Vollnarkose CT-gesteuert eine Sonde in den Tumor eingebracht. Von dieser Sonde wird dann ein hochfrequenter Wechselstrom erzeugt, der vor Ort eine große Hitze (bis 120°C) generiert. Dadurch wird das Tumorgewebe verkocht und abgetötet. 

Medikamentöse Behandlung von Metastasen

Über Jahrzehnte gab es keine wirksame Möglichkeit zur Behandlung von fortgeschrittenen Nierentumoren mit Medikamenten bzw. Chemotherapie. In den letzten Jahren hat sich hier viel entwickelt. Wir beraten Sie gern.