KLINIK FÜR UROLOGIE BOCHUM
Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard Ubrig

Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Prostatakrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 30.000 Männer an dieser potentiell tödlichen Erkrankung. Zurzeit werden etwa 800.000 Männer wegen Prostatakrebs in Deutschland behandelt. Nahezu jeder 5. Mann muss damit rechnen, am Prostatakarzinom zu erkranken. Immer noch sterben in Deutschland jährlich nahezu 12.000 Betroffene daran. Diese hohe Zahl könnte erheblich gesenkt werden, wenn die heute angebotenen Früherkennungsmöglichkeiten genutzt würden, denn im Frühstadium erkannt, ist dieser Krebs oft heilbar. Allerdings droht bei unkritischem Einsatz von Früherkennungsmethoden eine Diagnose von wahrscheinlich nicht behandlungsbedürftigen Stadien. So unterschiedlich wie die Formen des Prostatakarzinoms und unsere Patienten sind die sinnvollen Behandlungskonzepte. Grundsätzlich kommt bei einem lokalisierten (heilbaren) Prostatakarzinom entweder eine Operation oder eine Bestrahlungsbehandlung in Frage.

Prostatakrebsvorsorge

Einmal jährlich ist für Männer ab 45 Jahren eine Tastuntersuchung der Prostata vorgesehen. Bei der Tastuntersuchung untersucht der Arzt die Prostata mit dem Finger über den Enddarm (digitale rektale Untersuchung). Denn Prostatakarzinome entstehen am häufigsten in dem Teil der Drüse, der dem Enddarm zugekehrt ist. Unregelmäßigkeiten und Verhärtungen, die den Verdacht auf ein Karzinom nahe legen, sind bei dieser Untersuchung spürbar. Doch nicht jeder Prostatakrebs lässt sich auf diese Weise feststellen. Gerade kleine Tumoren fallen bei der Tastuntersuchung manchmal nicht auf.

Für den so genannten PSA-Test, eine Laboruntersuchung, die auch bei Verdacht auf Prostatakrebs durchgeführt wird, müssen gesetzlich versicherte Männer derzeit meist selbst aufkommen, wenn der Test rein zur Früherkennung, also ohne begründeten Krebsverdacht, durchgeführt wird (Kosten circa 30 Euro). Die Kosten für die Abklärung eines Verdachtes werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen dagegen übernommen. Das Prostataspezifische Antigen (PSA) wird aus einer Blutprobe bestimmt. Das PSA ist ein Eiweiß, das von Zellen der Prostata gebildet wird. In geringen Mengen tritt das PSA auch ins Blut über. Bei einem Prostatakarzinom ist die PSA-Konzentration im Blut meist erhöht.

Die regelmäßige PSA-Bestimmung ist in den letzten Jahren von den Medien oft gescholten worden. Festzuhalten bleibt: Es ist der effektivste Tumor-Marker, den die Medizin kennt. Natürlich kann er beeinflusst sein von Alter, Prostatagröße oder Entzündungen – diese einfachen Faktoren werden aber selbstverständlich bei jeder Früherkennungsuntersuchung mit berücksichtigt. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt diese Früherkennungsuntersuchung inklusive Bestimmung des PSA-Wertes bereits ab dem 40. Lebensjahr. Der allgemein angegebene obere Grenzwert von 4,0 ng/ml ist ein reiner Richtwert, der natürlich angepasst werden muss an Alter und Größe der Prostata.

Umgekehrt gilt auch: So wie eine erhöhter PSA-Wert nicht immer auf ein Prostatakarzinom hinweisen muss, schließen "normale" PSA-Werte Prostatakrebs nicht hundertprozentig aus. Deswegen ist neben dem Absolutwert auch die Anstiegsgeschwindigkeit zwischen verschiedenen PSA-Messungen wichtig.

Prostatakrebsvorsorge an der Klinik für Urologie Bochum

Üblicherweise ist die Prostatakrebsvorsorge eine Domäne der niedergelassenen Fachärzte und –innen für Urologie in eigener Praxis. Sollten Sie dies bei uns wünschen, so führen wir dies aufgrund mangelnder Kassenarztzulassung nur gegen private Rechnung nach den Masstäben der Gebührenordnung für Ärzte durch (Auskünfte durch das Chefsekretariat).

Bei Interesse können Sie einen Termin vereinbaren bei:
CA PD Dr. Ubrig, OA PD Dr. Roosen oder Dr. Paulics

Prostatakrebsdiagnose

Bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom wird der Arzt zunächst die Prostata abtasten und den PSA-Wert bestimmen. Erhärtet sich die Vermutung, ist die Entnahme einer Gewebeprobe sinnvoll. Ansonsten kann die Erkrankung nicht endgültig nachgewiesen werden. Ausserdem ist der Typ der Gewebeproben (Gleason-Score) wichtig.

Vor der Probenentnahme wird häufig heutzutage ein multiparametrisches Prostata-MRT (multiparametrisches Prostata-Kernspin) sinnvoll sein. Dies kann bei der Entscheidungsfindung zur Biopsie (Prostata-Probenentnahme) helfen und zudem bei der Entnahme der Biopsien selbst zur Zielsteuerung hilfreich sein.

Das Prostatakarzinom ist heute der häufigste Krebs bei deutschen Männern. Schätzungen gehen davon aus, daß mindestens jeder zweite 60jährige ein Prostatakarzinom trägt. In vielen Fällen handelt es sich dabei jeodoch um ein sogenanntes "insignifikantes" (="unbedeutendes") Karzinom, das seinen Träger aufgund seines langsamen Wachstums zeitlebens nicht beeinträchtigen wird. Genauso gibt es aber auch wesentlich aggressivere Wachstumsformen, die unbedingt erkannt und behandelt werden müssen, solange sie noch auf die Prostata beschränkt sind – sollten die Organgrenzen durchbrochen sein oder sich schon Metastasen in benachbarten Lymphknoten gebildet haben, ist eine Heilung oftmals nicht mehr möglich. Deshalb ist es wichtig, dass dieser entscheidende Zeitpunkt nicht verpasst wird.

Es ist also entscheidend und die Aufgabe des Facharztes/der Fachärztin für Urologie, vermutlich ungefährliche von aggressiven Wachstumsformen zu unterschieden und die letzteren rechtzeitig zu erkennen, um den Patienten von der Erkrankung definitiv heilen zu können.

Vermutlich ungefährliche Prostatakrebsarten haben kaum ein Riskio, zu metastasieren. Sie können anhand verschiedener Protokolle überwacht werden. Es sollte in manchen dieser Fälle möglicherweise in Zukunft nicht mehr der Begriff "Krebs" verwendet werden.

Die Unterscheidung, ob es sich um ein gefährliches Karzinom oder um eine ungefährliche Erkrankung mit geringem Risiko handelt ist ein Spezialgebiet der Fachärzte für Urologie. Auch für Fachärzte für Urologie stellt dies eine Herausforderung dar. Zu den Faktoren, die vom Facharzt/Fachärztin üblicherweise zur Unterscheidung herangezogen werden, ob der Prostatakrebs eines Patienten zum gefährlichen oder ungefährlichen Typ gehört sind:

  • Der Gewebetyp (Gleason-score; nur durch Biopsie zu bestimmen)
  • Die Anzahl der befallenen Prostatastanzbiopsiezylinder (Rückschluss auf die Tumorgröße)
  • Der Tastbefund der Prostata
  • Das Erscheinungsbild im multiparametrischen MRT
  • Individuelle Risikofaktoren (Prostatakrebs bei Patienten mit Blutsverwandten, die ebenfalls an Prostatakrebs litten verlaufen aggressiver; Prostatakrebs bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe verläuft aggressiver)
  • Weitere Faktoren

Multiparametrisches Prostata MRT (mpMRT)

Die Gerätetechnik hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Mit ihrem neuen Kernspintomographen verfügt die mit uns eng zusammenarbeitende Radiologische Abtielung über die neueste und leistungsstärkste Gerätegeneration. Mit einer „multiparametrischen“ Untersuchung der Prostata in diesem Gerät (Perfusions-, Diffusionswichtung und Spektroskopie, ca 45 min) ist die derzeit genaueste Bildgebung der Prostata zu erreichen. Dabei können Unterschiede in der Zelldichte oder Durchblutung, wie sie zum Beispiel zwischen normalem Prostatagewebe und Karzinomgewebe bestehen, sichtbar gemacht werden. Ein erfahrener Radiologe begutachtet die einzelnen Untersuchungssequenzen und teilt auffällige Areale nach der sogenannten „PI-RADS“-Klassifikation ein: Den Arealen wird ein Punktwert zwischen 1 und 5 zugeteilt, wobei 1 für eine sehr niedgrige und 5 für eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms steht. Dennoch erleben wir auch hier immer wieder Diskrepanzen zum histologischen Befund aus der Biopsie oder dem endgültigen Operationspräparat. Das MRT kommt im Wesentlichen dann zum Einsatz, wenn trotz negativer Prostatastanzbiopsie der Verdacht auf ein Karzinom weiterbesteht, wenn eine aktive Überwachung („Active Surveillance“) oder eine fokale Therapie geplant sind oder wenn der Patient sich vor der bioptischen Abklärung ausdrücklich eine Schnittbildgebung wünscht.

Prostatabiopsie

Ob eine Prostata Krebs enthält, ist nur mit der Gewinnung von Gewebe sicher nachzuweisen. Der Verdacht auf Prostatakrebs ergibt sich zumeist durch einen erhöhten PSA-Wert oder einen verdächtigen Tastbefund der Prostata. Es gibt zurzeit kein bildgebendes Verfahren zum sicheren Ausschluss eines Prostatakarzinoms. Auf die Probeentnahme kann daher nicht verzichtet werden. Die Prostatabiopsie auf der Welt wird millionenfach durchgeführt. Wir unterhalten zu diesem Zweck eine Sprechstunde. Bitte vereinbaren Sie einen Termin.

Ultraschallgesteuerte Entnahme von Prostatabiopsien

Zur Planung und vor der Entnahme ist in vielen Fällen heutzutage die vorherige Durchführung eines multiparametrischen Prostata-MRT sinnvoll. Im Vorfeld ist mit Ihrer Krankenkasse abzustimmen, ob dies übernommen wird.

Die Gewebeentnahme selbst findet meist problemlos unter Lokalanästhesie und Schutz durch Antibiotikaeinnahme statt. Auf Wunsch wird in der Klinik für Urologie in Bochum zusätzlich ein Schlafmittel gespritzt oder eine Kurznarkose durchgeführt. Unter Ultraschallkontrolle (Hochfrequenzsonographie/TRUS) werden systematisch 12 Proben aus den Sektoren der Prostata gewonnen. Zudem werden die in der Kernspinuntersuchung auffälligen Herde gezielt entnommen. Auf die zusätzliche systematische Entnahme aus 12 Prostata-Sektoren wird zurückgegriffen, da auch mit den modernen hochauflösenden Ultraschallsonden Karzinomherde nicht sicher gesehen werden können.

Vor und nach der Biopsie müssen Antibiotika eingenommen werden, um eine Prostataentzündung zu verhindern.

Elastographiesystem

Die Klinik für Urologie in Bochum verfügt neuerdings über ein hochmodernes Ultraschallgerät, das die Entdeckungsrate für Prostatakarzinome erhöhen könnte. Das sogenannte Elastographieverfahren – beim Brustkrebs der Frau bereits etabliert – ermöglicht die Erkennung von Verhärtungen in der Prostata und die gezielte Entnahme von Proben aus diesen Bereichen.

Template Biopsien

Diese werden in Kurznarkose entnommen und stellen eine der Voraussetzungen für die Durchführung einer fokalen Brachytherapie dar.