KLINIK FÜR UROLOGIE BOCHUM
Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard Ubrig

Minimalinvasive Entfernung der Harnblase und Harnblasenersatz (Da Vinci)

Die Nachricht, dass eine Entfernung der Harnblase erforderlich ist, trifft viele Patienten „wie aus heiterem Himmel“.

 

Viele Fragen müssen in kurzer Zeit geklärt werden: 

  • Ist die Entfernung der Harnblase (und evtl. Prostata) wirklich erforderlich ? 
  • Werde ich dadurch gerettet ? 
  • Ist mit eine neuen Harnblase das Wasserlassen wie bisher möglich ? 
  • Wie sind die Chancen auf Erhalt von Kontinenz und Sexualfunktion? 
  • Wie aufwändig und gefährlich sind Operation und Genesungsphase ? 
  • Ist ein Rehabilitationsaufenthalt nach der Operation sinnvoll ?

Zentrum für Minimal-Invasive Chirurgie in der Urologie Bochum – Da Vinci Zentrum

Die urologische Klinik der Augusta-Krankenanstalten gehört zu den wenigen Zentren in Deutschland, die die minimalinvasive, robotisch assistierte Entfernung der Harnblase in Schlüssellochtechnik unter Einsatz des daVinci Systems standardmäßig anbieten. Hierbei kommt uns unsere jahrelange und ausgewiesene Expertise und Schwerpunktbildung in minimalinvasiven OP-Techniken zugute. 

 

Für unsere Patienten bietet dieses Verfahren mehrere Vorteile.

  • Wenig traumatisches (belastendes) Operieren
  • eine hervorragende Sicht für den Operateur, 
  • ein einfacher durchzuführender Erhalt von Nerven für Potenz und Schließmuskelfunktion.
  • Nerverhalt, ein geringerer Blutverlust, eine geringere Belastung des Darmes und damit ein früheres postoperatives Wiedereinsetzen der regulären Darmtätigkeit. All dies soll zu einer schnelleren Erholung des Patienten führen. 

Ablauf der Operation

Unser minimal-invasives Verfahren entspricht im Ablauf  exakt der bewährten offenen Operation. Der Zugang zum Bauchraum erfolgt über sechs schmale Hülsen, die über kleine Hautschnitte beiderseits des Bauchnabels in die Bauchhöhle eingebracht werden. Sie erfolgt in in drei Teilschritten:

1) Entferung der Harnblase (Zystektomie): 

Zunächst werden die Harnleiter dargestellt und unmittelbar vor dem Eintritt in die Blasenmuskulatur abgesetzt. Sodann erfolgt die Lösung der Harnblase aus dem kleinen Becken, beim Mann zusammen mit der Prostata, bei der Frau zusammen mit der Gebärmutter, evtl. den Eierstöcken und evtl. Anteilen der Scheidenvorderwand. Hierbei lässt sich - je nach Ausdehnung des Tumorleidens - ein nervenerhaltendes und -schonendes Vorgehen zum optimierten Erhalt von Kontinenz und Sexualfunktion/Potenz wählen. Das ausgelöste Organ mit dem Tumor wird nun in einen Kunststoffbeutel verpackt. Eine Besonderheit unserer Klinik ist, dass wir bereits während der Operation mithilfe des Schnellschnittverfahrens feststellen können, ob der Tumor im Gesunden komplett entfernt wurde.

2) Lymphdrüsenentfernung (Lymphadenektomie): 

In diesem Schritt erfolgt eine sehr sorgfältige Entfernung der Beckenlymphknoten, die entlang der großen Beckengefäße aufgereiht sind nach internationalen Standardvorgaben.

3) Bildung der Ersatzblase oder der Beutellösung (Neoblase, Nabelblase, Ileum-Conduit, Sigma-Rektum Blase, Harnleiter-Hautfistel) 

Wir bieten in unserer Klinik insgesamt 5 Alternativen zum Blasenersatz an:

  • Orthotoper Blasenersatz (Neoblase): Hat der Patient sich im Vorfeld mit dem Operateur auf die Anlage einer Neoblase geeinigt, wird ein circa 40 cm langes Segment aus der Dünndarmkontinuität ausgeschaltet und hieraus in Analogie zum offenen Vorgehen ein sphärisches Reservoir gebildet, das sowohl an den Hahnröhrenstumpf als auch an beide Harnleiterenden angeschlossen wird und die Speicherfunktion der entfernten Blase übernimmt
  • Nabelpouch (katheterisierbare Bauchnabelblase)
  • Sigma-Rektum-Pouch (Enddarmblase)
  • Ileum-Conduit: Falls der Patient sich für ein Ileum-Conduit entschieden hat, wird ebenfalls minimalinvasiv ein circa 15 cm langes Dünndarmsegment aus der Dünndarmkontinuität ausgeschaltet, das auf der einen Seite mit den Harnleiterenden vereinigt und auf der anderen Seite aus der Bauchdecke ausgeleitet wird. Die Darmkontinuität wird mittels Klammernahtgerät oder per „Handnaht“ wiederhergestellt
  • Harnleiterhautfistel (Ureterocutaneostomie)

Entscheidend – bei aller verständlichen Aufregung in dieser Situtation -  ist dabei das Beratungsgespräch durch unsere erfahrenen Experten vor Ihrer Operation. Wir versuchen immer, die am besten geeignete Lösung für unsere Patienten mit Ihnen gemeinsam zu finden. Hier fließen viele Gesichtpunkte ein: Eigenschaften des Tumors, Prioritäten und Wünsche seitens unserer Patienten/-innen, medizinische Risikofaktoren der Patienten, Lebensalter, Voroperationen, Zustand von Schließmuskel und Sexualfunktion usw.

Kann jeder Patient mit dem daVinci System operiert werden?

Grundsätzlich kann jeder Patient mit dem daVinci-System operiert werden. Es gibt aber auch Gründe, die ein primär offenes Vorgehen sinnvoll erscheinen lassen:

  • Die präoperative Ausbreitungsdiagnostik zeigt, dass der Tumor sehr weit fortgeschritten ist. Hier möchte man eine unbeabsichtigte Tumorzellaussaat in der Bauchhöhle vermeiden und würde auf ein laparoskopisches Vorgehen verzichten.
  • Umfangreiche vorangegangene Bauchoperationen machen ein laparoskopisches Vorgehen unmöglich.
  • Patient und Operateur haben sich im Vorfeld auf einen katheterisierbaren Nabelpouch geeinigt (vor allem bei Frauen, bei denen die vordere Scheidenwand aus onkologischen Gründen nicht erhalten werden kann und denen die Entleerung einer Neoblase deshalb schwer fallen könnte, die aber trotzdem eine kontinente Lösung wünschen; oder bei Männern, bei denen aufgrund eines fortgeschrittenen Tumorleidens Schliessmuskel und Harnröhre mit entfernt werden müssen)

Ablauf der Vorbereitung und des stationären Aufenthaltes

Wir empfehlen eine erste ambulante Vorstellung zu einem Beratungsgespräch mit einem unserer Experten oder dem Chefarzt, um Ihre Vorstellungen und die operativen Möglichkeiten auszuloten. Zu diesem Termin wird auch ggf. noch erforderliche Umfelddiagnostik, die ambulant durchgeführt werden kann, organisiert. Es folgt eine weitere ambulante Vorstellung, in deren Rahmen die anästhesiologische Vorbereitung, das Aufklärungsgespräch und ggf. weitere erforderliche Untersuchungen wie eine Blasenspiegelung stattfinden. Am Vorabend der Operation werden Sie auf eine unserer Stationen aufgenommen. Nach dem Abendessen werden leichte abführende Maßnahmen durchgeführt. Am Morgen werden Sie in den OP-Trakt gebracht, wo Sie die Narkoseärzte in Empfang nehmen. Im Anschluss an die Operation verbringen alle Patienten die erste Nacht routinemäßig auf unserer Intensivstation. Die Rückverlegung erfolgt am nächsten Morgen. Es schließt sich je nach Art der Harnableitung ein Aufenthalt zwischen 10 und 20 Tagen an, der Kostaufbau, Mobilisation und schrittweise Entfernung der Drainagen beinhaltet. Auch wird hier für sie bereits der anschließende Rehabilitationsaufenthalt organisiert, und Sie werden in die richtige Handhabung Ihrer Harnableitung eingewiesen.

Anschlussheilbehandlung/Reha

Wir empfehlen allen unseren Patienten mit einer Ersatzblase grundsätzlich die Durchführung einer 3 wöchigen Rehabehandlung. Sie brauchen sich darum nicht zu kümmern, das übernimmt unser Sozialdienst. In der Reha erlernen Sie den sicheren Umgang mit Ihrem Ersatzorgan und wenn Sie aus der Reha entlassen werden, sind Sie in der Regel schon sehr sicher und fit.

Individuelles Beratungsgespräch

Falls Sie ein Beratungsgespräch durch einen unserer Experten oder den Chefarzt wünschen, rufen wir Sie gern zurück. Bitte schicken Sie diesbezüglich eine e-Mail an unser Terminsekretariat. 

Bringen Sie zum Beratungsgespräch bitte alle Ihnen verfügbaren Unterlagen mit:

a) Arztbriefe und Befunde, insbesondere aktuelle urologische Arztbriefe

b) aktuelle Bildgebung (CT, MRT) auf CD und mit schriftlicher Befundung

c) für die Anästhesie wichtige Dokumente wie kardiologische Befundberichte o.ä.

d) Allergiepässe, Medikamentenpläne